Kleine Vögel weichen großem Tornado weiträumig aus

Wenn ein Tornado naht, bringen sich Goldflügel-Waldsänger rechtzeitig in Sicherheit. Sie weichen ihm Hunderte Kilometer weit aus.

Mit winzigen Flugrekordern unterwegs

Eigentlich wollten US-amerikanische Zoologen und Umweltforscher nur wissen, wo die kleinen Singvögel genau überwintern. Sie hatten 20 Männchen mit Mikro-Flugrekordern ausgestattet. Die zeichnen Daten auf, mit denen sich die Flugroute rekonstruieren lässt. Die Vögel bekamen die Aufzeichnungsgeräte, während sie sich in einem Brutgebiet in US- Bundesstaat Tennessee aufhielten.

Gleich nach Rückkehr Flohen die Vögel vor schwerer Sturmfront

Im nächsten Jahr kehrten die Vögel nach einer 5000 Kilometer langen Reise aus Kolumbien zurück. Eigentlich wollten die Forscher sie wieder einfangen, um die Daten aus den Flugrekordern auszulesen. Doch das mussten sie verschieben. Eine schwere Sturmfront raste auf die Mitte und den Süden der USA zu. Aus ihr entstanden 84 Tornados, die 35 Menschen das Leben kosten sollten. Die Forscher brachten sich rechtzeitig in Sicherheit. Die Vögel auch. Das ergab später die Auswertung von Flugrekordern der Vögel. Sie verließen ihr Brutgebiet, bevor der Sturm eintraf.

Fünf Tage lang einen großen Bogen um die Stürme geflogen

Später zeigte sich in den Daten: Die Vögel waren der Unwetterfront einige hundert Kilometer ausgewichen. Zwei der Vögel waren nach ihrer langen Reise aus dem Winterquartier gerade erst zwei Tage in Tennessee, als sie noch einmal 1500 Kilometer für die Flucht und die schlussendliche Rückkehr ins Brutgebiet nachlegten. 

vermutlich wurden sie durch Infraschall gewarnt

Vor den Unwetterfronten breiten sich über mehr als 1000 Kilometer ganz besondere Schallwellen aus. Es ist sogenannter Infraschall. Seine Töne sind so tief, dass Menschen sie nicht hören können. Die Vögel aber schon. Und zwar so frühzeitig, dass sie mehr als 24 Stunden vor dem Eintreffen der Stürme aufbrechen konnten.

Einige Vögel folgten gewohnten Routen

Sie flogen in Richtung des nördlichen Teils ihrer alljährlichen Zugroute. Aber offenbar jeder für sich. Sie flogen alle jeweils verschieden weit und lange.

Auf dem Vogelzug richten sich einige Arten nach dem Wetter

Pfuhlschnepfen zum Beispiel, die jedes Jahr von ihren ihren Winterquartieren in Neuseeland 14000 Kilometer bis in die Brutregion in Alaska reisen, fliegen erst los, wenn die Witterungsbedingungen auf der Strecke stimmen. Auch sie erspüren Wetterdaten vermutlich über Infraschallsignale.

Die Forschung steht noch am Anfang

Die Forscher hatten die Beobachtungen nicht geplant. Es war die nicht vorhersehbare Sturmfront, die ihnen letztlich die Ergebnisse bescherte. Von den 20 Goldflügel-Waldsängern, denen sie im Vorjahr die Mikro-Flugrekorder angehängt hatten, fanden sie zehn wieder. Einer hatte sich des Geräts entledigt. Ein andere ließ sich partout nicht einfangen. Seine Daten konnte die Wissenschaftler also gar nicht erst nicht auslesen. Also blieb insgesamt  eine kleine Zahl von Tieren übrig. Doch immerhin haben sie Wissenschaftlern das erste Mal gezeigt, dass Vogel dem Wetter nicht nur auf dem Vogelzug ausweichen können, sondern auch von ihrem Brutquartier aus. In dem es allerdings noch keine Gelege oder gar Junge gab.  Wie  sich die Vögel mit Gelegen und Jungvögel bei einer hernnahenden Tornadofront verhalten würden, ist unbekannt.


Vom Klimawandel sind häufiger und Stärkere Stürme zu erwarten

Da ist es ein wichtiges Ziel für die Wissenschaft, herauszufinden, wie sich das auf das Verhalten der Vogelwelt im großen Maßstab auswirkt.

Quelle: Current Biology

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